5. Februar 2023
Zockerpuls - Besitzen Stadia-Nutzer ihre Spiele? Ein Kommentar.
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Besitzen Stadia-Nutzer ihre Spiele? Ein Kommentar.

Wenn es um Cloud Gaming geht, liest man man immer wieder den Vorwurf, dass man seine Spiele als Stadia-Nutzer gar nicht wirklich besitzt, da ja Google jederzeit den Stecker für Stadia ziehen könnte oder auch einzelne Spiele seitens der Publisher aus welchen Gründen auch immer offline genommen werden könnten.

Diese Annahme ist für sich betrachtet zwar korrekt, allerdings lässt sich diese Aussage weder auf Cloud Gaming im Allgemeinen noch auf Stadia im Speziellen einschränken, da dies generell für digitale Käufe gilt und selbst Spiele in physikalischer Form auf Discs oder Speicherkarten inzwischen stark davon betroffen sind.

Es ging schon immer um die Lizenzen.

Wer Spiele nämlich in digitaler Form kauft, wie zum Beispiel über Steam, Epic, Origin oder auch über den Microsoft Store, den PlayStation Store oder den Nintendo eShop, erwirbt letztlich auch nur eine Lizenz für den Download des Spiels und ein Nutzungsrecht, welches theoretisch wertlos werden kann, da die Inhalte jederzeit von den Betreibern offline genommen werden können. Als Beispiel wäre die berüchtigte Silent Hill-Teaser-Demo P.T. zu nennen, die Konami nach der Trennung von Hideo Kojima aus dem PlayStore verbannte. Wer P.T. zuvor auf seine PlayStation 4 heruntergeladen hatte, konnte sie weiterhin spielen. Wer P.T. hingegen nicht heruntergeladen hatte, konnte das Spiel nicht mehr herunterladen, selbst wenn das Spiel schon Teil der Mediathek geworden ist, was mitunter dazu führte, dass teils PlayStation 4-Konsolen mit einer Installation von P.T. auf eBay zu horrenden Preisen versteigert wurden. Mit Hinblick auf solche Fälle müsste man als besorgter Gamer eigentlich jedes Spiel, dass man jemals digital gekauft hat, stets herunterladen und lokal auf Festplatten archivieren, da es ja aus den Stores verschwinden könnte. Stattdessen vertrauen die Nutzer aber aus Bequemlichkeit darauf, dass ihre Spiele auch in Zukunft verfügbar bleiben.

Dazu kommt noch, dass man zwar sicherlich Spiele nach dem Download offline sichern könnte, um unabhängig vom Betreiber darauf zugreifen zu können, aber bei Spielen mit einer zentralen Online-Funktionalität, was inzwischen einen Großteil der Videospiele ausmacht, bringt es einem effektiv nichts ein Spiel zu besitzen, dessen Server abgeschaltet wurden. Insbesondere, wenn der Online-Part des Spiels langfristig die Daseinsberechtigung des Spiels darstellt und man den Offline-Part sofern überhaupt vorhanden schon durchgespielt hat.

Online-Funktionen machen uns ohnehin schon abhängig.

Spaßeshalber kann ja jeder Gamer einfach mal für sich seine gekauften Spiele im Kopf durchgehen und sich fragen, ob er sie ohne Online-Features überhaupt noch spielen würde. Skyrim? Sicherlich. The Witcher? Aber klaro! GTA? Hmm… Da müssen einige schon nachdenken, da für viele sicherlich GTA Online den eigentlichen Reiz des Spiels ausmacht. Rainbow Six: Siege? Das ist offline quasi nicht spielbar. Elder Scrolls Online? PUBG? Dead by Daylight? Counter Strike? Leage of Legends? Call of Duty? Fall Guys? Apex Legends? Sea of Thieves? Destiny 2? Ihr ahnt es.

Diese ohnehin bestehende Abhängigkeit bei Online Multiplayer-Spielen macht das Backuppen von Installation also sowieso wirkungslos. Ob das Spiel nun digital gekauft wurde oder man eine Disc besitzt, spielt dabei gar keine Rolle. Beispielswiese können PlayStation 3- und Xbox 360-Besitzer bereits seit Dezember 2021 nicht mehr GTA Online spielen, weil Rockstar Games die Server abgeschaltet hat. Ganz zu schweigen davon, dass viele Spiele voller Bugs zum Release auf Discs vertrieben werden und erst riesige Updates heruntergeladen werden müssen, um spielbar zu werden.

Das Besitzrecht bei Stadia Pro:

Was nun den kostenpflichtigen Abo-Service Stadia Pro angeht, ist ein Vergleich zu anderen Diensten im Hinblick auf das Besitzerecht interessant. Während nämlich Spiele regelmäßig aus dem Game Pass (und damit auch aus xCloud) und aus der Auswahl für PlayStation Now rausgenommen werden, bleiben einem einmal freigeschaltete Stadia Pro-Spiele für immer erhalten. Beispielsweise wurde im Oktober letzten Jahres Mafia III Definitive Edition zu einem Stadia Pro-Spiel. Ende Dezember verließ das Spiel das Stadia Pro-Lineup. Wer es allerdings zwischen Oktober und Ende Dezember freigeschaltet hat, kann es auch weiterhin zocken, sofern er ein aktives Stadia Pro-Abo hat. Diese Tatsache macht für uns Spiele in Stadia Pro wertvoller als als Spiele im Xbox Game Pass oder auf PlayStation Now. Stadia Pro Spiele sind daher eher vergleichbar mit freigeschalteten Spielen in PlayStation Plus oder Games with Gold.

Abschließend sollte uns allen bewusst sein, dass wir letztlich unabhängig von der genutzten Plattform nur Lizenzen für Spiele erwerben und jeder Betreiber irgendwann seine Dienste abschalten könnte und auch physikalische Medien nicht für die Ewigkeit sind, da Speichermedien wie Discs und Speicherkarten unbrauchbar werden können oder auch verloren gehen können.

Wer nun befürchtet, dass Stadia in der nächsten Zeit abgeschaltet wird, den können wir beruhigen, da es in Anbetracht der Entwicklung der Plattform und dem Ausbau auf dem Fernsehmarkt im Zusammenhang mit LG und Samsung überhaupt nicht so aussieht. Lesenswert dazu ist auch die neuste Prognose von unseren Kollegen beim GoogleWatchBlog.

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